Selbstbeteiligung bei Mietwagen: Lohnt sich eine Zusatzversicherung?

Viele Autovermietungen verlangen im Falle eines selbstverschuldeten Unfalls eine Selbstbeteiligung. Diese ist oft abhängig von Fahrzeugtyp und Alter des Fahrers. Besonders bei low cost Autovermietungen werden hier schnell vierstellige Beträge verlangt. Dadurch werden aus Sicht der Autovermietung zwei Ziele erreicht: Zum einen kann die (Vollkasko-)versicherung kostengünstig angeboten werden und zum anderen kann risikoscheuen Kunden eine teuere Zusatzversicherung verkauft werden. Neben den Versicherungen der Autovermieter existieren auch vermieterunabhängige Zusatzversicherungen. Diese kann der Kunde auf eigene Faust abschließen. Dies kann z.B. dann sinnvoll sein, wenn der Vermieter die Selbstbeteiligungsreduktion nicht direkt anbietet.

Zuerst finden Sie einen Überblick, welche Selbstbeteiligungssätze bei den verschiedenen Vermietern verlangt werden:

Tabelle 1: Selbstbeteiligungssätze in Deutschland
Anbieter Selbstbeteiligung mögliche Reduktion Extra-Kosten
Europcar 850 € bis 1050 €
Fahrer jünger als 23: 1050 €
mit "Super-LDW": 400 € weniger 6 € bis 10 € pro Tag
Avis 800 € bis 1000 € (mit CDW) Restbetrag von 100 € 15,99 € pro Tag
Sixt 350 € bis 1500 € (mit LDW) Restbetrag von 100 € 6,49 - 7,49 € pro Tag
DB Carsharing 1500 € Restbetrag von 300 € 90 € pro Jahr
Hertz 550 € bis 1400 € (mit CDW) komplett ca. 15 € bis 18 € pro Tag
Maki Car Rental 150€ bis 500 € komplett 2 € bis 7 € pro Tag
Tabelle 2: Unabhängige Mietwagenversicherungen
Anbieter Leistung Kosten
Mondial / Elvia gesamte Selbstbeteiligung 5 € pro Tag
Blue Insurances gesamte Selbstbeteiligung 2,99 € / 3,99 € pro Tag
44,99 € / 55,99 € pro Jahr
Miles & More Credit Card Gold Business Vollkasko Versicherung mit 230 € Selbstbeteiligung 95 € pro Jahr
Citi Travel Pass MasterCard Vollkasko Versicherung mit 250 € Selbstbeteiligung 88 € pro Jahr

Natürlich stellen sich viele Kunden die Frage: Ist es sinnvoll, einen Aufpreis zu bezahlen um damit die Selbstbeteiligung zu reduzieren oder aufzuheben?

Um Ihnen bei der Beantwortung dieser Frage zu helfen, haben wir ein Tool geschaffen, welches versucht, die Fragestellung mit mathematischen Mitteln zu beleuchten. Keine Angst, Sie müssen nicht selbst rechnen! Geben Sie einfach im folgenden Recher die Eckdaten Ihres Mietvorgangs ein und wir errechnen den Preis, den eine Zusatzversicherung Ihrem Risikobewusstsein entsprechend kosten dürfte. Sie können natürlich auch mehrere Anfragen hintereinander absenden, damit Sie einen besseren Einblick bekommen.

Interaktive Preisanalyse

Normalerweise ist der Preis, den der Autovermieter anbietet, um einiges höher, als der von uns errechnete. Dies liegt vor allem daran, dass Autovermieter und Kunden unterschiedliche Auffassungen von einem "angemessenen Preis" haben. Wir haben einige Gründe dafür gesammelt:

  • Bei Entfallen der Selbstbeteiligung muss die Versicherung für zusätzliche Schäden aufkommen. Liegt die Selbstbeteiligung z.B. bei 800 € und der Kunde verursacht einen Schaden von 500 €, müsste die Versicherung dafür normalerweise nicht einspringen. Zahlt der Kunde keine Selbstbeteiligung, kommen also wesentlich mehr versicherungsrelevante Schäden (selbst kleine Lackschäden) zustande.
  • Sollten Sie in einer Mietperiode mehrmals einen Schaden verursachen, hat sich die Selbstbeteiligungsreduktion für den Kunden schon beim ersten Schaden rentiert. Der Vermieter muss hingegen damit kalkulieren, dass mehrere Unfälle in einer Mietperiode auftreten.
  • Der Autovermieter befürchtet, dass Kunden weniger sorgsam mit den Fahrzeugen umgehen, wenn sie keine finanziellen Folgen zu befürchten haben. Der Ausfall eines Fahrzeugs hat erhebliche Auswirkungen auf den Betriebsablauf des Autovermieters. Daher ist er darauf bedacht, dass so wenige Schäden wie möglich verursacht werden.
  • An den Zusatzversicherungen will der Autovermieter natürlich verdienen. Daher sind sie so hoch angesetzt, dass auch unter schlechtesten Bedingungen noch ein Gewinn dabei herauskommt.
  • Die Preise der Reduktion der Selbstbeteiligung sind für kurze Mietzeiträume ausgelegt. Mieten Sie den Wagen jedoch länger sind sie meist zu hoch und daher besonders unattraktiv für den Mieter.
  • Oft unterschätzen Mietwagenkunden die Unfallwahrscheinlichkeit. Damit Sie dies realistisch einschätzen können, haben wir einen kleinen Fragenkatalog aufgestellt. Sie finden ihn am Ende dieser Seite.

Der Preis für die Selbstbeteiligungsreduktion hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Einige davon sind wie oben beschrieben einfacher nachzuvollziehen als andere. Dahinter steht jedoch die Frage, ob Sie für die Reduktion der Selbstbeteiligung einen Aufpreis zahlen sollen oder nicht. Folgende Punkte sollen Ihnen dabei helfen, das eigene Schadensrisiko einzuschätzen:

Persönliche Faktoren

  • Wie viel Fahrpraxis haben Sie?
  • Fahren Sie regelmäßig Auto?
  • Fühlen Sie sich beim Fahren eines ungewohnten Fahrzeugs sicher? Sind sie mit dem Cockpit des gewünschten Mietwagens vertraut?
  • Wie leicht fällt Ihnen das Einparken?
  • Neigen Sie dazu riskant zu fahren? Fahren Sie gerne schnell?
  • Wie oft hatten Sie in den letzten drei Jahren selbstverschuldete Unfälle?

Umgebungsabhängige Faktoren

  • Auf welcher Straßenseite wird gefahren?
  • Fahren Sie in einer Metropole?
  • Ist der Verkehr eher chaotisch?
  • Wie hoch ist die Diebstahlwahrscheinlichkeit?
  • Besteht ein erhöhte Gefahr von Wildschäden?

Weiterhin könnte unser internationaler Unfallrisikorechner für Sie interessant sein! Dort können Sie für über 120 Länder vergleichen, wie hoch das Risiko eines tödlichen Autounfalls ist. Das errechnete Verhältniss ist natürlich nur ein grober Anhaltspunkt, da durch das Verhältniss der Verkehrstoten nur bedingt Rückschlüsse auf das Verhältniss der Unfallschäden gezogen werden kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Rettungs- und Gesundheitssystem unterschiedlich gut ausgebaut sind.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen Anhaltspunkt geben, wie Sie Ihre Unfallwahrscheinlichkeit einschätzen können. Bei Ihrer Entscheidung sollten Sie natürlich auch in Betracht ziehen, ob Sie sich die Selbstbeteiligungssumme überhaupt leisten können und ob Sie Ihre Reise möglicherweise wesentlich entspannter angehen können, wenn sie kein Selbstbeteiligung im Schadensfall bezahlen müssen.